Dampfanlage Caroline 1817
Ausfürhriche Texte zu dem Dampschiff finden sie in der Kategorie Publikationen, auf der Seite Dampfschiff Caroline, einige Fotos des Modells auf der Seite Caroline und hier noch einige Details zur Dampfanlage.
Der Kessel nach einem Entwurf von Richard Trevithick war einer der ersten Röhrenkessel mit einem Arbeitsdruck von wenigen Bar. Dennoch galt er als „Hochdruckkessel“ im Gegensatz zu den bisher üblichen Haystackkesseln, deren Druck gerade ausreichte, den Zylinder mit Dampf zu füllen, der im Anschluss durch Einspritzen von Wasser in den Zylinder kondensierte und durch den daraus resultierenden Unterdruck die eigentliche Arbeit leistete.
Auf dem äußeren Deckel des Kessels sind zwei Prüfhähne für den Wasserstand im Kessel sowie das gewichtsbelastete Sicherheitsventil und die vertikale Stange im Zentrum zur Anzeige des Kesseldrucks angeordnet. Das Kesselfundament ist aus Modellziegeln gebaut.




Der Zylinder sitzt teilweise im Kessel, was sowohl thermische Vorteile, als auch eine Vereinfachung der Dampfzufuhr bedeutet.
Das Dampfventil am Zylinder wird vom Kreuzkopf des Pleuels mit einer Schleppstange und einer Umlenkung zu dem Ventilhebel gesteuert, die auch mit einem kurbelförmigen Stellhebel betätigt werden kann, um ein Umsteuern der Drehrichtung zu ermöglichen.
Diese Art der Ventilsteuerung kam bei den atmosphärischen Dampfmaschinen von Newcomen in den englischen Minen zur Anwendung, und wurde hier in horizontaler Form übernommen.
Die Maschine der Caroline war der unten abgebildeten Trevithick Mill Engine sehr ähnlich. Auf diesem Foto ist auch die Ventilsteuerung viel deutlicher zu erkennen. Der Kessel der Caroline ist allerdings mit einer Verkleidung aus Eisenplatten versehen, da er im Freien der Witterung ausgesetzt war.
Bei der Recherche zur Dampfmaschine hat mir der Kontakt zum britischen Autor David Hulse sehr geholfen, neben vielen Informationen und Fotos überließ er mir auch eine große Anzahl an selbst gebrannten Modellziegeln. Durch Zufall war ich bei der Durchsicht älterer Ausgaben der Zeitschrift „Model Engineer“ auf einen Artikel von David über die Mill Engine gestoßen, der mir die Konstruktion der Caroline-Maschine überhaupt erst möglich machte. Denn bis dahin hatte ich die Zeichnung der Caroline von John P. Drake insofern falsch interpretiert, dass der Dampfzylinder hinter dem Kessel angebracht wäre. Das bedeutete einen wichtigen Durchbruch für meine fast vierjährige Recherche zur Caroline.
Foto © David Hulse


Aus David K. Hulse „Two Engineers Francis Thompson & Richard Trevithick“ S. 122
Ein weiteres wichtiges Bindeglied stellt das Dampfmaschinenmodell von Langenreither im Technischen Museum Wien dar. Langenreither betreute ab 1803 den Aufbau und den Betrieb der Dampfmaschine im Schlosspark von Eisenstadt, die damals in mehreren Kisten aus England nach Eisenstadt transportiert worden war, und von der er ein Funktionsmodell baute, das der Mill Engine im Wesentlichen entspricht. Die Detailfotos dieses Modells aus dem Technischen Museum waren für die Umsetzung meines Vorhabens sehr hilfreich.
Foto © Ing. Christian Müller/ HTL Eisenstadt


Hier meine Interpretation, die sowohl den genannten sekundären Quellen als auch der Zeichnung von John P. Drake gerecht zu werden versucht.
An der Kurbelwelle sitzt auch die Antriebshebel für die kleine Kondensatpumpe und auf der anderen Seite für die Speisewasserpumpe, die ihren Wasservorrat aus bereitgestellten Holzfässern bezog.
Mit der links im Bild befindlichen Seiltrommel konnte das Schleppseil unter Dampfkraft eingeholt werden. Das war notwendig, wenn die Strömungsverhältnisse ein Festmachen des Schleppbootes am Ufer erforderten, und die Schleppkähne dann um jeweils eine Seillänge flussauf gezogen werden konnten.


Für den Bau der Schwungräder habe ich eine Holzform für einen Viertelkreis des Schwungrades angefertigt. In einer Sandform konnte ich dann die acht Abgüsse aus Zinn herstellen, die mittels Messingstiften untereinander und mit vierkant Messingspeichen mit der Nabe verbunden wurden.
Die Zahnräder habe ich aus Messing auf der Drehbank und der Fräsmaschine hergestellt und mit Brünierbeize etwas gealtert.
Die ganze Dampfanlage ist zwar mechanisch dem Vorbild entsprechend gebaut und kann von Hand sehr schön bewegt werden, ein Funktionsbetrieb unter Dampf oder Pressluft ist mit dem Standmodell jedoch weder möglich noch vorgesehen.
Das Modell der Caroline befindet sich derzeit im Bezirksmuseum Floridsdorf in Wien.
GJS 2001
