Burstyn’sches Motorgeschütz
Bei der Modellbaumesse in Wien 2018 wurde das Modell im Maßstab 1:8 mit Hilfe einer Schützengrabenattrappe erstmals vorgeführt.
In der Folge wurden auf dem Gelände des Heeresgeschichtlichen Museums Wien auch Filmaufnahmen für einen Beitrag des Museums über Gunther Burstyn angefertigt.
THE MAKING OF
Mein Interesse für Erfindungen mit k.u.k. Hintergrund führte mich auch zu einer bemerkenswerten technischen Idee, die wie so oft ihrer Zeit voraus war. Zum historischen Hintergrund verweise ich auf das Typenblatt von Robert Tögel.
Anhand dieses Typenblatts und weiterer Literatur habe ich mich über die Konstruktion des Motorgeschützes gewagt. Ergebnis des Projekts sollte ein ferngesteuertes Modell aus Messing im Maßstab 1:8 sein.
Als Vorstufe habe ich ein Kartonmodell aus Roberts Doppeladler-Typenblatt gebaut, um mich an die Dimensionierung und an die Konstruktionsgrundlagen heranzutasten.
Als Basis für die Figur des Erfinders Gunther Burstyn als Oberleutnant des k.u.k. Eisenbahn- und Telegraphenregiments diente mir ein Panzersoldat aus Plastik, den mir Robert zur Verfügung gestellt hatte. Die Uniformdetails entnahm ich der Fachliteratur und bei der Gestaltung halfen mir Fotos von Gunther Burstyn. Die Figur hält eine Verkleinerte Darstellung der Patentzeichnung in ihren Händen und wurde gemeinsam mit dem Kartonmodell zu einer Präsentationsvignette gestaltet.


Um möglichst wenig Ausschuss zu produzieren, wurde das Messingmodell mit einem einfachen Grafikprogramm in 2D konstruiert, und danach eine Materialliste erstellt.
Folgende Funktionen sollten umgesetzt werden:
Kettenantrieb, Turmdrehung, Kanonenelevation, Motorengeräusch, Lichteffekt und Sound bei der Schussabgabe, Raucherzeugung beim Auspuff sowie (später aus Gewichtsgründen wieder ausgebaut) Absenkung von eigenen Rädern für die Fahrt auf Straßen mit eigenem Motorantrieb und eigener Lenkung. Das ergab ein recht üppiges Innenleben.

Der Aufbau der Karosserie begann mit einem weich verlöteten Stützrahmen, auf dem dann die einzelnen Messingplatten genietet wurden.
Dann folgte der Einbau der diversen technischen Komponenten, begonnen wurde mit dem Kettenantrieb, der aber später mehrmals durch immer stärkere Motoren ersetzt werden musste.
Auf der Bodenplatte wurden die Motoren für das Absenken der Straßenräder sowie deren Antrieb montiert.




Recht aufwändig war die Herstellung der vielen Kettenglieder und der Komponenten für das Fahrwerk inklusive Federung.




Nach der weiteren Beplankung der seitlichen Wände fanden auch die vier Antriebe für die Auslegerstützen ihren Platz.


Die Außenhaut wurde mit auf dem Trägergerüst vernieteten Messingplatten komplettiert.

In gleicher Weise wurde der Panzerturm konstruiert.

Die Ausleger wurden aus Messingzuschnitten weich verlötet, die Form der Antriebsstangen konnte auf der Drehbank herausgearbeitet werden. Auf dem zweiten Bild ist der Betätigungsmechanismus der Ausleger mittels Kegelräder und mit einer Gewindestange zu erkennen. Endlagenschalter begrenzen den Verfahrweg.


Der weitere technische Ausbau war recht umfangreich, aber alle Komponenten haben ihren Platz gefunden. Das Gesamtgewicht des Modells lag nun bei ca. 25 kg.
Die Fahrversuche ergaben leider eine vorerst mangelnde Antriebskraft bei den Panzerketten, deshalb experimentierte ich zunächst mit zwei Motoren je Kette und schließlich mit kräftigen Motoren aus dem Bereich des LKW-Modellbaus.
Durch das Entfernen des „Straßenantriebs“ konnte ich noch ca. 3,5 kg Gewicht einsparen, was die Belastung für die Antriebskomponenten der Ketten erfreulich reduzierte – sozusagen ein Rückbau auf die wesentlichen Grundfunktionen. Lange habe ich mit den Zusatzfunktionen des Soundmoduls herumprobiert, aber mangels Erfolges schließlich darauf verzichtet. Den Schussblitz habe ich gar nicht eingebaut – genug der Elektronik!
Hier geht es weiter zu mehr Informationen über die Geschichte des ersten Kampfpanzers der Welt.
GJS 2018



