Baltimore Clipper Harvey 1847
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde an der Ostküste dieser Schiffstyp entwickelt, der sich durch hohe Masten und vergleichsweise niedrigen Freibord auszeichnete. Die dadurch erreichbare hohe Geschwindigkeit kam sowohl bei der Verwendung als Blockadebrecher und als Kaperschiffe vorteilhaft zum Einsatz, um bei Verfolgungsjagden leichter entkommen zu können.
Der Clipper Harvey wurde 1847 auf der bekannten Schiffswerft von William Webb in Baltimore gebaut. Sie hatte eine erfolgreiche Karriere, zuerst als Kriegsschiff und dann als Frachtschiff. Sie verdrängte etwa 225 Tonnen und hatte eine Länge von 97 Fuß, eine Breite von 25 Fuß und einen Tiefgang von weniger als 11 Fuß.
Ich habe das Modell nach einem Plan gebaut, da es 1983 noch keinen Bausatz zu kaufen gab, und ich ein ferngesteuertes Modell fahren wollte.
Plan der Firma Artesania Latina als Beispiel
Harvey noch in Bau ohne Rahsegel, Gaffeltop- und Großsegel aber mit familiärer Bewunderung.





Modelldaten
Den Rumpf habe ich aus Styropor mit einem stabilen Holzkiel nach Spantschablonen gefertigt und mit mehreren Lagen GFK überzogen. Nach dem Aushärten und Schleifen wurde das Styropor aus dem Rumpf entfernt, um Platz für die technischen Einbauten zu bekommen. Das Deck ist ein Sperrholz/GFK Sandwich, in den die Mastfüße eingelassen sind. Ziel war es, das gesamte Deck mit der Takelage abnehmen zu können. Das erforderte eine rundum laufende verschraubte Dichtung mit Fensterdichtband und Vaseline zwischen Deck und Rumpf.
Die Masten und Stengen sind aus Rundholzstäben gefertigt, die Segel aus Kunstfaserstoff genäht, und unter dem Kiel kann zum Segeln eine Bleibombe an einem ca. 20 cm tiefen Schwert aus Acrylglas angebracht werden. Die Segelsteuerung erfolgt über Umlaufschoten unter dem Deck, die mit umgebauten Standardservos (Entfernung des Potentiometers) betrieben werden. Eine Umlaufschot wirkt auf Fock und Klüver, zwei weitere auf die großen Schratsegel, und das Brassen der Rahen sowie das Einholen der Rahsegel wird auch mit eigenen Umlaufschoten bewerkstelligt. Letztere Funktion habe ich aber auf Grund von zu hohen Reibungsverlusten wieder deaktiviert.
Um überhaupt eine Ahnung vom Segeln zu erhalten, habe ich auf der Alten Donau in Wien bei der Segelschule Irzl einen Segelkurs absolviert, bevor ich mich an das Steuern des Modells gewagt habe.
Gesegelt habe ich das Modell meist mit eingeholten Rahsegeln, weil die Wendemanöver ohnedies schon schwierig waren. Ausnahme war zu Beginn eine Ausfahrt auf dem Kaiserwasser.
Hier Ein Foto von meinem Harvey auf der Alten Donau.


Da das Modell im Betrieb ganz schön viel Wasser übernahm, habe ich auch eine elektrische Pumpe in den Rumpf eingebaut.
Ausfahrt auf der Neuen Donau in Wien.
Hier ist die am Kiel angehängte Bleibombe zu erkennen.

Hier noch einige Detailfotos


Durch das Einfügen von Figuren habe ich versucht, das Modell anschaulich zu beleben. Die Figuren habe ich aus Plastikcowboys und Indianern umgebaut, die vor vielen Jahren in den Packungen von Linde-Kaffee enthalten waren, und die meine Großmutter für uns Buben gesammelt hatte


Die Ruderpinne ist tatsächlich über eine beidseitige Seilanlenkung gesteuert. Unter dem Deck sitzt ein Servo mit einer großen Seiltrommel, um den Steuerweg darstellen zu können.

Hier sieht man auch die Seile zum ursprünglich vorgesehenen Reffen der Rahsegel.
GJS 1985/86
