Die Ausfahrt der Bertha Benz


Prolog
1886 erfand der in Karlsruhe geborene Carl Benz in Mannheim das Automobil (Reichspatent 37435 vom 29. Januar 1886), das aber anfangs kein wirtschaftlicher Erfolg war.
Anfang August 1888 bewies seine Ehefrau Bertha Benz in Begleitung ihrer 15 und 13 Jahre alten Söhne Eugen und Richard durch eine heimliche Fahrt mit dem Benz Patent-Motorwagen Nummer 3 von Mannheim in ihre Geburtsstadt Pforzheim und zurück[1] die Alltagstauglichkeit der pferdelosen Kutsche, was dem Automobil zum Durchbruch verhalf.
In der Stadt-Apotheke in Wiesloch mussten als Kraftstoff einige Liter Ligroin gekauft werden, das damals als Reinigungsmittel diente. So wurde diese Apotheke zur ersten Tankstelle der Welt.[2] Eine dort angebrachte Gedenktafel sowie ein Denkmal erinnern daran.
Während der Fahrt mussten auch mehrere Reparaturen durchgeführt werden, von denen Bertha Benz zwei selbst auf offener Strecke erledigen konnte – mit ihrer Hutnadel und ihrem Strumpfband als technische Hilfsmittel.[3]
(Von Wikipedia / Bertha Benz Memorial Route)
Vor zwei Jahren …
… habe ich bei einer IPMS-Ausstellung den Bausatz erstanden.
Mit der netten Figurengruppe bot sich die Gestaltung in einem kleinen Diorama an.
Zunächst habe ich auf Google Maps Wiesloch gesucht und die Adresse Hauptstraße 96 der Apotheke gefunden. Die Friedrichstraße führt dort hin und bei der Hausnummer 12 war so etwas wie eine kleine Mauer erkennbar.


Die Teile eines Kai-Dioramas lieferten das Straßenpflaster und den Metallzaun. Da das Kai-Diorama im Maßstab 1:35 gefertigt ist, war der Zaun etwas zu niedrig und auch zu kurz. Deshalb habe ich ein hohes und ein niedriges Mauerstück eingesetzt, um die ganze Breite zu füllen.
Die Mauer ist selbst gebaut. Dazu habe ich Kunststoffplatten mit einem Ziegelmuster graviert und dann farblich gestaltet. Die Decksteine sind aus Polystyrolplatten.
Für die Alterung der Oberflächen habe ich Tamiya weathering master Pigmente mit einem steifen Borstenpinsel aufgebürstet und danach die Flächen mit mattem Spraylack fixiert.
Der Grünbereich ist mit 6mm Gras aus dem Modellbahnzubehör auf braunem Leimuntergrund bestreut.
Der schwarze Lack des Zauns ist stark glänzend ausgefallen. Also habe ich ein Schild „Achtung!!! Frisch Gestrichen“ in Kurrentschrift angebracht.
Der Bau des Autos war eine ziemlich filigrane Angelegenheit. Die dünnen Radspeichen sind Metallätzteile. Die Motorteile sind auch recht filigran, und beim Zusammenbau hilft auch ein gewisses Verständnis für Maschinenbau. Bei der Haltung der Bausatzfiguren musste ich nichts ändern. Es war nur eine passende Lackierung erforderlich, bei der ich mich zum guten Teil an die Farbvorlage gehalten habe
Die Figurengruppe passt in ihrer Körperhaltung sehr gut, denn die Söhne müssen das Gefährt die letzten paar hundert Meter zur „Tankstelle“ (Apotheke) schieben.



Vor der Friedrichstraße 12 begegnet ihnen ein Passant. Diese Figur habe ich aus dem Set „Henry Ford & Co“ entnommen und kleidungsmäßig an das Jahr 1888 angepasst. Dazu musste der lange Mantel mit doppelreihigen Knöpfen tailliert werden, und aus dem gewöhnlichen Filzhut der 1920er Jahre wurde ein stattlicher Zylinder. Barttracht und Gehstock habe ich ebenfalls ergänzt.

Doch das ist nicht der einzige Bewunderer.
Hinter dem Zaun hat ein aufgeregter Langhaardackel Position bezogen.
Der Bau des kleinen Ensembles hat viel Spaß bereitet, und gab mir die Möglichkeit, mein Faible für alte Maschinen und Erfindungen mit einer lebendigen Darstellung zu verbinden.
GJS, November 2025

